Wie man Galerien kontaktiert (und warum sie nicht antworten).

 

 Von Paulina Calabrò
Ich werde oft gefragt, wie man Galerien richtig kontaktiert und wie man „auffallen“ kann. Also teile ich hier meine ehrliche Sicht – in der Ich-Form, aber mit dem Hinweis: Ich bin nicht die Einzige, der es so geht. Viele Galerien arbeiten ganz ähnlich.
Von aussen wirkt eine Galerie wie ein ruhiger, schöner Ort: Kunst, Vernissagen, gute Gespräche, ein Glas Wein. In Wirklichkeit besteht mein Alltag zu einem grossen Teil aus Administration, Logistik, Versicherungen, Verträgen, Marketing und lauter Dingen, die niemand jemals auf Instagram zeigt. Die glamourösen Momente sind die Spitze des Eisbergs – der Rest ist pures Organisationschaos.
Und mitten in diesem Chaos landen täglich unzählige E-Mails von Kunstschaffenden in meinem Postfach. Portfolios, PDF-Bücher, Links, Statements, alles dabei. Ich freue mich wirklich über dieses Engagement – aber ich sage es offen: Es ist unmöglich, alles zu beantworten. Sehr oft fehlt mir schlicht die Zeit, jedes Portfolio in Ruhe anzuschauen. Jede Rezension, jeder Tipp, jede Einschätzung würde viel Zeit kosten – und genau diese Ressource ist bei mir fast immer Mangelware.
Wie arbeite ich also?
Ich suche selbst aktiv nach Positionen, die zu meiner Galerie passen. Ich beobachte, recherchiere, folge Spuren, lasse mich überraschen. Und ja – manchmal überzeugt mich ein eingereichtes Portfolio. Das gibt es. Aber bitte erwartet nicht automatisch eine Antwort. In den meisten Fällen bedeutet Schweigen leider: Kein Interesse – zumindest im Moment.
Nicht, weil ich euch nicht wertschätze. Sondern weil ich in meinem Alltag schlicht keine Kapazität habe, auf jede Anfrage individuell einzugehen oder eine künstlerische Laufbahn zu kommentieren. Blindbewerbungen haben selten Erfolg, und ihr könnt nicht erwarten, dass eine Galerie euch kostenlos beraten oder detailliert beurteilen kann. Das klingt hart, aber so ist die Kunstwelt nun einmal.
Ich möchte euch trotzdem den Mut lassen – denn ich weiss, wie viel Herz, Arbeit und Hoffnung in jeder Mail steckt. Wenn mich etwas interessiert, antworte ich. Wenn etwas zu meiner Galerie passt, melde ich mich. So einfach – und so kompliziert – ist es.
Bis dahin: Bitte nehmt es nicht persönlich, wenn keine Antwort kommt. Der Kunstbetrieb braucht viel Durchhaltevermögen, ein gutes Ego-Pflaster und eine Portion Humor.
Und wer weiss – vielleicht liegt genau in der nächsten E-Mail das Werk, das mich aus meinem Administrationsdschungel reisst und begeistert.

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